Noch mehr Gedanken zum Frieden

Zirkularität von Konflikten

Konflikte haben eine zirkuläre Dynamik. Sie wird oft als „Gewaltspirale“ bezeichnet und beschreibt eine Art destruktives Perpetuum mobile in Konfliktsituationen. Bleibt dieser Charakter von Konflikten unbeachtet, kann er eine enorm, zerstörerische und Angst einflößende Kraft entfalten.

Am Anfang des Konfliktkreislaufes steht die Irritation: Man ist von dem Verhalten eines Menschen, dessen Meinung oder dessen Emotionen verunsichert. Das eigene Erleben wird als reaktiv erlebt, man sieht sich als Opfer. Das wiederum verzerrt die Wahrnehmung der Realität. Damit sich diese, nun verzerrte, Realität bewahrheitet, sucht man sich andere, die man von der Richtigkeit des eigenen Denkens, Fühlens und Handelns überzeugen kann. Glasl nennt das „soziale Ansteckung“, was den viralen Charakter eines Konfliktes unterstreicht. Schließlich kommt man an den Punkt, an dem es sehr schwer wird, sich überhaupt noch in die Lage des anderen zu versetzen. Es kommt also zu Empathieverlust. Dies wiederum führt zum dargestellten stereotypen Verlauf von Irritation, verzerrter Wahrnehmung, sozialer Ansteckung und Empathieverlust.

Der Schluss darf natürlich kein fatalistischer sein, dass dann alles so bleiben sollte, weil Konflikte nun mal so ablaufen.

Denn aus den eingangs gezeigten Gründen täte die Friedensbewegung gut daran, sich intensiv mit dem Thema Achtsamkeit und Konflikt auseinanderzusetzen, wenn sie erstens verhindern will, dass sie von innen heraus gespalten wird und zweitens zu einer Gruppenstärke heranwachsen will, die in der Lage ist, eine Gegenmacht zu Kriegsbefürwortern zu bilden.

Deshalb sind das Wissen um Konfliktmerkmale in Kombination mit Achtsamkeit wichtige Faktoren auf dem Weg zu einem friedlichen Miteinander. Einen Konflikt zu verstehen bedeutet, dass die Angst vor Konfliktsituationen abnimmt, weil man etwas darüber weiß, was abläuft. Dadurch kann man sein Verhalten ändern und das wiederum verändert den Ausgang des Konfliktes in etwas Konstruktives.

Auf das Wesentliche besinnen

Wozu die ganze Anstrengung? Glasl schreibt, dass Konfliktfähigkeit die Utopie vom Frieden retten könnte. Doch was ist der Nutzen? Auch hier ist wieder Achtsamkeit gefragt: Einmal einen Ein- und Ausatemzug lang könnte man sich vorstellen: Wer wäre ich, wenn ich Konflikte friedlich lösen könnte? Was hätte ich dadurch für eine Wirkung auf andere? Was könnte das zum Frieden beitragen? Was kenne ich für friedliche Momente, auch in meiner eigenen (Friedensbewegungs- und Menschheits-) Familie?

Wenn es einem dann gelingt, einen Konflikt durch Änderung des eigenen Verhaltens umzuwandeln, wird man vielleicht feststellen können, was für eine Erleichterung und Freude das sein kann. Wenn man etwas Neues ausprobiert, kann man auch positive Erfahrungen machen. Das Positive an Konflikten kann sein, dass man seine Kraft spürt und seine Bedürfnisse erfüllt bekommt. Ein Mensch, mit dem man sich in konstruktiver anstatt destruktiver Weise gestritten hat, rückt einem näher. Das wiederum nimmt Konflikten ihren bedrohlichen Charakter, führt uns aus der Angst und stärkt unseren Mut.

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