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Erstgespräch
  • 9 . Februar 2026

ADHS und Autismus im Job: Kommunikation besser verstehen und Missverständnisse vermeiden

Missverständnisse im Job entstehen oft dort, wo Kommunikation als selbstverständlich gilt. Bei ADHS und Autismus treffen unterschiedliche Wahrnehmungs- und Denkweisen aufeinander. Klare Sprache, Transparenz und gegenseitiges Verständnis sind der Schlüssel zu gelingender Zusammenarbeit.

Inhaltsverzeichnis

  • von Christiane Borowy

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Kommunikation wirkt selbstverständlich – bis sie es plötzlich nicht mehr ist. Gerade bei ADHS und Autismus entstehen im Job schnell Missverständnisse, wenn unterschiedliche Wahrnehmungs- und Denkweisen aufeinandertreffen. Neurodivergente Menschen aus dem ADHS- und Autismus-Spektrum erleben viele alltägliche Anforderungen im Arbeitsalltag anders als neurotypische Kolleginnen und Kollegen.

→ Doch was braucht es, damit Zusammenarbeit gelingt?

Darüber habe ich mit der Betriebs-Sozialarbeiterin Frau Heilburg von den österreichischen Team Styria Werkstätten gesprochen. 

🧠 „Mit welchen Themen kommen neurodivergente Mitarbeiter zu Ihnen?“ 

→ Frau Heilburg:

Oft kommt jemand mit dem Gefühl, ständig überfordert zu sein, obwohl derjenige sich sehr bemüht. Häufig geht es um Kommunikation, um unausgesprochene Erwartungen im Betrieb. 

Ein großes Thema sind außerdem inoffizielle Spielregeln im Job. Wenn Abläufe oder Erwartungen nicht klar ausgesprochen werden, entstehen Missverständnisse. Gerade Menschen aus dem ADHS- oder Autismus-Spektrum brauchen Transparenz und nachvollziehbare Strukturen im Arbeitsalltag.

Hier zeigen sich Schwierigkeiten, die mit den sogenannten exekutiven Funktionen zusammenhängen, also Planung, Priorisierung oder das Wechseln zwischen Aufgaben betreffen. Dinge, die für neurotypische Menschen selbstverständlich wirken, können neurodivergente Personen extrem viel Energie kosten.

🙉 „Was wird im Arbeitsalltag oft missverstanden?“

→ Frau Heilburg:

Viele denken, jemand müsse sich einfach nur „mehr anpassen“ oder „besser konzentrieren oder aufmerksamer sein“. Doch Neurodivergenz bedeutet nicht mangelnden Willen, sondern hauptsächlich eine andere Art, Informationen zu verarbeiten. Stellen Sie sich vor, alle anderen erkennen eine Farbe im Farbkreis sofort – nur Sie nicht. Wie würde es sich für Sie anfühlen, wenn alle davon ausgehen, dass es doch ganz einfach sein müsste?

Oder ein anderes Bild: Hinter Ihnen telefoniert jemand laut, irgendwo läuft ein Fernseher, aus dem Nebenraum dröhnt ein Radio und gleichzeitig sprechen zwei Kolleginnen auf Sie ein. Könnten Sie unter solchen Bedingungen konzentriert arbeiten? Für viele neurodivergente Menschen fühlt sich ein gewöhnlicher Arbeitstag ähnlich an – und genau hier entstehen häufig Missverständnisse, die nur schwer kommuniziert werden können – von beiden Seiten.

🤟 „Gibt es so etwas wie eine Art ‚Gebärdensprache‘ für ADHS oder das Autismus-Spektrum?“

→ Frau Heilburg:

Der Vergleich taucht immer wieder auf. Wenn wir mit gehörlosen Menschen kommunizieren, können wir Gebärdensprache lernen – also ein klares, gemeinsames System. Bei Neurodivergenz funktioniert das 🤟jedoch nicht in gleicher Weise.

ADHS und Autismus sind Spektren. Und das bedeutet: Es gibt nichts Einheitliches, das sich wie eine universelle Übersetzung anwenden lässt. Was für eine Person hilfreich ist, kann für eine andere völlig ungeeignet sein. Deshalb gibt es kein allgemeines kommunikatives „Methodenset“, das man einmal lernen und überall anwenden kann.

Hilfreicher ist es, individuelle Verständigungswege zu entwickeln – durch Nachfragen, klare Absprachen und eine Kommunikation, die sich an den jeweiligen Menschen anpasst.

📌 „Was können Führungskräfte und Teams konkret tun?“

→ Frau Heilburg:

Der wichtigste Schritt ist Bewusstsein. Wer versteht, was Neurodivergenz bedeutet, bewertet Verhalten weniger vorschnell, fragt mehr nach und reduziert damit Missverständnisse im Team.

👉 Ganz praktisch hilft:

  • klare, sachliche Sprache
  • möglichst wenig bildhafte oder doppeldeutige Formulierungen 
  • nachfragen statt interpretieren
  • Planung und strukturierte Abläufe ermöglichen
  • individuelle Lösungen zulassen

Es geht nicht darum, jemanden „funktionieren zu lassen“, sondern Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen unterschiedliche Arbeitsweisen im Job möglich sind.

❓„Und was können neurodivergente Menschen selbst im Betrieb tun?“

→ Frau Heilburg:

Ein entscheidender Punkt ist Offenheit – soweit sie sich sicher anfühlt. Viele betroffene Menschen versuchen zu maskieren, also ihre Schwierigkeiten zu verstecken. Langfristig kostet das enorme Kraft und verstärkt sehr oft die Probleme.

👉 Hilfreich kann sein:

  • eigene Bedürfnisse benennen
  • zu erklären, unter welchen Bedingungen man gut arbeiten kann
  • Informationen mit einer Vertrauensperson nachbesprechen, um zu klären, ob die relevanten Inhalte verstanden wurden und ob diese auch für den Menschen im Spektrum passend sind
  • E-Mails oder wichtige Nachrichten mit einer Vertrauensperson gegenlesen
  • selbst nachzufragen, wenn etwas unklar ist – ohne Scham

Gerade bei ADHS und Autismus im Job kann eine offene Kommunikation helfen, Missverständnisse früh zu klären. Niemand muss alles allein schaffen. Vertrauenspersonen im Betrieb können eine große Entlastung sein.

🎭 „Wie sollten Kolleginnen und Kollegen reagieren, wenn Emotionen sichtbar werden?“

→ Frau Heilburg:

Wenn jemand sichtbar überfordert ist oder beispielsweise zu weinen beginnt, hilft es meist, die Situation zunächst ruhig vorübergehen zu lassen. Emotionen dürfen da sein. Oft ist es besser, nicht sofort zu analysieren oder zu bewerten, sondern abzuwarten, bis sich die Person wieder reguliert hat. Danach kann man respektvoll nachfragen.

Grundsätzlich gilt für alle Seiten: miteinander sprechen, nicht übereinander – denn viele Missverständnisse entstehen erst dort, wo nicht direkt kommuniziert wird.

„Was wünschen Sie sich für die Zukunft der Arbeitswelt?“

→ Frau Heilburg:

Mehr Verständnis dafür, dass das ADHS- und Autismus-Spektrum wirklich ein Spektrum ist. Es gibt leider keine Einheitslösung. Wenn Teams lernen, Unterschiede als Teil normaler Vielfalt zu sehen, profitieren letztlich alle davon, nicht nur neurodivergente Menschen.

❗️Fazit

Das Gespräch mit Frau Heilburg zeigt:

Gerade bei ADHS und Autismus im Job entscheidet die Art der Kommunikation darüber, ob Zusammenarbeit gelingt oder Missverständnisse entstehen. Wer bereit ist, vermeintliche Selbstverständlichkeiten zu hinterfragen, schafft Raum für neue Wege im Miteinander – und für Arbeitsplätze, die unterschiedlichen Menschen wirklich gerecht werden.

Ein herzliches Dankeschön geht an Team Styria und Frau Heilburg für die Einblicke in ihre Arbeit und ihren wertvollen Beitrag zu diesem Thema.

Ich helfe dir dabei, liebevoll mit deinem Kind umzugehen und dich selbst dabei nicht zu vernachlässigen.

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