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Erstgespräch
  • 10 . Januar 2026

Warum Elternarbeit bei ADHS fast immer am falschen Ende ansetzt

Warum viele ADHS-Eltern Angebote Mütter unter Druck setzen und wie das anders geht.

Inhaltsverzeichnis

  • von Christiane Borowy

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❓Geht es eigentlich noch jemandem so wie mir?

Ich scrolle durch Artikel, Reels, Posts und Programme zum Thema ADHS und Elternarbeit – besonders zur Unterstützung von Müttern in ADHS-Familien. Trotzdem merke ich: Etwas in mir wird unruhig.


Es ist ein leises, aber hartnäckiges Störgefühl, das an die Oberfläche will. Dabei sind die Inhalte gut und die Präsentation auch. Was ist es also? 



→ Ich frage mich immer mehr:

Wie wird Muttersein hier eigentlich gesehen? Und wie sehen Mütter sich selbst, wenn sie das alles lesen und versuchen umzusetzen?

👉 Wenn Unterstützung sich wie Optimierung anfühlt

Wenn ich die vielen Ratschläge und Tipps in ein Wort packen müsste, fällt mir nur ein Wort ein: Anstrengend. Das scheint erstmal paradox. Schließlich wissen wir doch so viel über Sympatikus und Parasympatikus etc. und wie man sich durch Breathwork oder mindestens gute Ernährung wieder entspannen kann. Alles richtig und hilfreich, das weiß ich aus Erfahrung.

→ Aber: Vieles von dem, was ich sehe, läuft oft unbemerkt auf eine Botschaft hinaus:

Du musst es besser machen.
Du musst strukturierter sein.
Du musst dein Kind besser begleiten.
Du musst dich besser organisieren.

Und ja – natürlich brauchen Familien mit ADHS Wissen, Struktur, Orientierung.
Das stelle ich nicht infrage.
Was mich aber umtreibt, ist etwas anderes:

→ Wo bleibt die Mutter als Person?
Bei den ADHS-Kindern ist man immerhin schon so weit zu erkennen: „Dein Kind ist kein Problemkind“, wie es in dem Bestseller von Alexandra Zengerling heißt.


Am liebsten würde ich allerdings ein Buch schreiben mit dem Titel
„Du bist keine Problemfamilien-Managerin“
„Du bist keine pädagogische Superkraft für neurodivergente Sonderfälle“
„Du musst nicht das Betriebssystem für perfekten ADHS-Umgang schreiben“.


Denn viele Mütter sagen sich: Wenn das Kind kein Problemkind ist, ist ja wohl eine Sache klar: Dann bin ich das Problem, denn dass es Probleme gibt, liegt ja wohl auf der Hand.
Finde den Fehler.

👉 Muttersein unter Dauerbeobachtung 

Viele Mütter in ADHS-Familien, mit denen ich arbeite, kommen nicht erschöpft, weil sie „zu wenig wissen“.

Sie kommen erschöpft, weil sie sich ständig beobachten und infrage stellen:

  • Habe ich richtig reagiert?
  • War ich konsequent genug?
  • Habe ich mein Kind jetzt geschädigt?
  • Müsste ich nicht geduldiger, liebevoller, strukturierter sein?

Kein Mensch fragt sich das so. Mental load ist ein Mutter-Phänomen. Dieses an alles Denken, für alles Verantwortung übernehmen. 

Alle anderen belasten sich mit diesen Fragen gar nicht erst. Man könnte jetzt sagen: Das ist ein Systemproblem. Doch was soll das denn sein, das System? Das sind doch wir alle, oder nicht? Ich sage es mal so: Wenn da mal nicht was aus der Balance geraten ist! Denn wenn in einer Gesellschaft nur eine Gruppe übertrieben Verantwortung übernimmt, dann ist da gewaltig etwas in Schieflage geraten. 

Wenn Muttersein oft funktionieren, regulieren, auffangen und sich aber bitte dabei selbst im Griff haben bedeutet, und zwar immer, dann ist auch der Nicht-Soziologin klar: Auf Dauer geht das nicht gut, und einer zahlt den Preis. 

❗️Kinder „in Ordnung bringen“ – oder Mütter? 

Und genau das macht mich nachdenklich, denn wie schnell geht der Blick entweder auf das Kind, mit dem angeblich etwas nicht stimmt – oder eben auf die Mutter, die noch ganz viel zu lernen hat, um besser zu funktionieren. 

Beides greift zu kurz.

Denn Familienleben – besonders mit ADHS – ist kein Reparaturfall.
Es ist ein Beziehungsraum.

Beziehungen verändern sich nicht durch (Selbst-) Optimierung, sondern durch innere Ordnung, Klarheit und Entlastung – und durch (Selbst-) Fürsorge. 

Dabei sind wir alle, also auch Nicht-Mütter gefragt. 

Allerdings ist schon ein erster wichtiger Schritt getan, wenn Mütter sich selbst als Person sehen dürfen und wollen – mit eigenen Wünschen, Bedürfnissen und – ja wirklich – Vorstellungen von einem glücklichen erfüllten Leben. 

Das würde helfen, dass der Druck rausgeht, Schuldgefühle mindestens leiser werden und vor allem, dass es echtes Familienglück trotz ADHS-Herausforderung gibt. 

Das ist Beziehungsarbeit auf Augenhöhe.

Ich helfe dir dabei, liebevoll mit deinem Kind umzugehen und dich selbst dabei nicht zu vernachlässigen.

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